Europahaus Marienberg e.V.

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75 Jahre Europahaus Marienberg – Impulsgeber für die europäische Bildung

Festrede von Dr. Otto Schmuck
am 11. September 2026 im Europahaus Marienberg

Rede von Dr. Otto Schmuck

Rede von Dr. Otto Schmuck / Foto: Thomas Krohn

Im Oktober diesen Jahres kann der Verein „Europahaus Marienberg“ und auch das von ihm begründete Europahaus auf eine 75jährige Geschichte zurückblicken. Das ist eine sehr lange Zeit, und die Geschichte von Verein und Haus weist durchaus Höhen und Tiefen auf. Im Rückblick kann aber festgestellt werden, dass die positiven Aspekte bei weitem überwiegen.

Ich kenne das Europahaus seit mehr als 40 Jahren, zunächst als Teamer und Leiter von internationalen Seminaren, später durch meine Mitarbeit im Verein, dem ich seit September 1999 als Mitglied angehöre und zu dessen stellvertretendem Vorsitzenden ich im Juni 2003, zu dessen Vorsitzenden im Juni 2008 gewählt wurde. Ich habe dieses Amt bis heute inne.

Als Kenner, Unterstützer und langjähriger Wegbegleiter möchte ich einige Anmerkungen zur Geschichte des Europahauses und auch des Vereins machen und auf meinen Erfahrungen aufbauend einige Schlussfolgerungen für die Rolle des Vereins im Verhältnis zum Europahaus und auch für die pädagogische Arbeit des Europahauses ziehen.

Ich möchte meinen Rückblick in drei Schritte gliedern, die jeweils einen Zeitraum von 25 Jahren umfassen.

1. 1951 – 1976: Die turbulenten Anfangs- und Aufbaujahre

Ende der 1940er und Anfang der 1950er Jahre fanden - u.a. in Hertenstein, Montreux und Den Haag - mehrere internationale Treffen und Kongresse statt. Dabei wurden Ideen und Konzepte entwickelt, wie die europäische Nachkriegsordnung nach den schrecklichen Erfahrungen des totalitären Hitler-Regimes und dem von ihm angezettelten Zweiten Weltkrieg aussehen sollte. Die Zeit von Nationalismus und Faschismus sollte endgültig vorbei sein. Vielmehr ging es nunmehr darum, den europäischen Kontinent friedlich zu vereinen. Unmittelbare Folgen dieser Treffen waren 1946 die Gründung der Europa-Union in Deutschland sowie 1948 der Europäischen Bewegung. Auch die Gründung des Europarats 1949 hat hier ihren Ursprung.

In diesem Zusammenhang sind auch mehrere Treffen von zumeist jugendlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf der Lorelei und auf der Burg Waldeck zu erwähnen. Nach den schrecklichen Erfahrungen des wenige Jahre zurück liegenden Weltkriegs wollten auch sie einen aktiven Beitrag für ein friedliches Europa leisten, das von Völkerfreundschaft und Offenheit geprägt war. Sie wollten aber auch Angebote schaffen, damit sich an Europafragen Interessierte nicht nur sporadisch, sondern regelmäßig und in einem organisierten Rahmen treffen könnten. Dabei sollten Ideen und Konzepte der Zukunft Europas weiter entwickelt werden, und es ging darum, Kontakte auch über die nationalen Grenzen hinaus zu knüpfen.

Aus diesem Umfeld schlossen sich sieben junge Männer aus dem Frankfurter Raum zusammen und gründeten am 19. Oktober 1951 den Verein „Europa-Haus Marienberg“. Darunter war der vielen von uns noch im Gedächtnis gebliebene Claus Schöndube. Sie ließen die Satzung dieses Vereins am Tag darauf beim Notar Welsmann hier in Marienberg beglaubigen und in das Vereinsregister des Amtsgerichts Marienberg eintragen. In diesem Zusammenhang war es von besonderer Bedeutung, dass es dem Verein gelungen war, die leer stehende Landratsvilla hier am Ort für ihre Zwecke nutzen zu können. Bald schon fanden dort Aktivitäten statt, die weit über den Westerwald hinaus ausstrahlten.

Damit begann die nunmehr 75 Jahre währende wechselhafte Geschichte des Vereins und des von ihm zunächst ehrenamtlich getragenen Europahauses. Mit viel Enthusiasmus wurden in provisorisch hergerichteten Unterrichtsräumen und engen Schlafsälen mit sechs und acht Stockbetten Seminare über das in der Nachkriegszeit auch jüngere Menschen elektrisierende Thema „Europa“ durchgeführt. Dieter Franck, der in den ersten Jahren für 250 Mark im Monat und freiem Essen im Europahaus als Studienleiter arbeitete, hat anlässlich des 50. Jubiläums des Europahauses anschaulich von seinen Erfahrungen in dieser Zeit berichtet. Für ihn war es ein prägendes Erlebnis, dass Menschen aus Deutschland, Frankreich, England, Amerika und vielen anderen Ländern so selbstverständlich miteinander umgingen und Freundschaften schlossen.

Das Europahaus erlebte danach eine Blütezeit, wurde aber Mitte der 1960er Jahre von Skandalen und Vorwürfen der Misswirtschaft erschüttert. Der damalige Direktor des Europahauses Adolf Kanter musste 1967 wegen Spendenbetrugs und anderer Vorwürfe zurücktreten. Später stellte sich heraus, dass er bereits in diesen Jahren als IM für die Stasi der DDR aktiv gewesen war. In der Folge dieses Skandals erlebte das Europahaus schwierige Zeiten, man stand kurz davor aufzugeben.

Erst 1975 änderte sich die Situation grundlegend. Den noch immer zahlreichen Freunden und Unterstützern des Europahauses gelang es damals in vielen Gesprächen mit den zuständigen Stellen in Mainz, die rheinland-pfälzische Landesregierung auf die Bedeutung der Bildungsstätte im Westerwald für die europapolitische Bildung hinzuweisen und das Land dazu zu bewegen, sich hier – auch finanziell - zu engagieren. Zusammen mit dem Verein Europahaus Marienberg wurde 1975 in gemeinsamer Trägerschaft die öffentliche Stiftung bürgerlichen Rechts „Europa-Haus Marienberg“ gegründet.

Die Satzung dieser Stiftung sieht als Organe einen Vorstand, einen Stiftungsrat, in den der Verein drei Mitglieder entsenden kann, und auch einen Programmrat vor, der die pädagogische Arbeit des Hauses begleiten und unterstützen soll. Mit der Gründung der Stiftung bewegte sich das Europahaus in einem ruhigen und gesicherten Fahrwasser.

2. 1976 – 2001: Kontinuierliche Aufbauarbeit und große bauliche Veränderungen

Die Arbeit des Europahauses im Rahmen der neu errichteten Stiftung war darauf ausgelegt, seriöse Bildungsarbeit mit sehr begrenzten Ressourcen zu leisten. Im Sprachgebrauch des Hauses wurde häufig der Satz kolportiert „In Marienberg werden keine Torten kreiert, sondern Graubrot gebacken!“. Die Durchführung von Seminaren und die Gewinnung von Teilnehmern in dieser Zeit wurde erleichtert durch die enge Zusammenarbeit mit der Europa-Union als Partner und durch die Kooperation mit den anderen Europahäusern, die sich damals nach dem Vorbild Marienberg in großer Zahl gründeten und die sich 1962 in der Föderation der Europahäuser zusammenschlossen.

Regelmäßig gab es in Marienberg Treffen der Mitglieder des Vereins, der im Haus aktiven nebenberuflichen Seminarleiter mit Vertretern der internationalen Partner. Und auch mit hochrangigen Europapolitikern, wie der erste Präsident der Europäischen Kommission Walter Hallstein. Dabei waren auch der Rektor des Europa-Kollegs Brügge Hendrik Brugmans, Max Wratschgo aus Österreich, Pierre Martin aus Frankreich und viele andere Freunde und Förderer aus dem In- und Ausland. Gerhard Eickhorn war damals Vorsitzender des Stiftungsvorstands, und über eine lange Zeit bis zum Jahr 2000 leitete Manfred Däuwel das Europahaus. Burkhardt Siebert war damals dort bereits als Studienleiter.

In dieser Zeit wurde eine mit der Europa-Union organisierte sehr erfolgreiche Seminarreihe „Deutschland in Europa“ für rheinland-pfälzische Schulen konzipiert, die die Kapazitäten des Hauses weitgehend auslastete. Markenzeichen für das Haus waren daneben Kurse für Schülerzeitungsredakteure und -redakteurinnen. Daneben bot das Europahaus – zum Teil auch als Gastveranstaltungen - Raum für vielfältige Fortbildungen für angehende Juristinnen und Juristen, für Soldaten, für Zivildienstleistende, für Buchhalter und für viele andere Berufsgruppen.

Hauptsächlich waren deutsche Jugendliche als Teilnehmer im Haus, doch fanden regelmäßig auch Seminare mit nichtdeutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus westeuropäischen Staaten statt. Eine herausragende Bedeutung kam dabei den vom DFJW geförderten deutsch-französischen Veranstaltungen zu. Zeitweise war zu ihrer Vorbereitung und Begleitung eine vom DFJW geförderte französische Programmassistenz im Haus.

Mit den demokratischen Reformen in Mittel- und Osteuropa Ende der 1980er Jahre veränderte sich die Teilnehmerstruktur der internationalen Seminare im Europahaus. Hatten zuvor Seminare mit westeuropäischer Beteiligung im Vordergrund gestanden, gab es jetzt eine verstärkte Nachfrage für Veranstaltungen mit Lehrkräften und Schülerinnen /Schülern aus den Reformstaaten, vor allem aus Polen und Ungarn. Die Finanzierung dieser politisch wichtigen Aktivitäten stellte das Europahaus vor erhebliche Herausforderungen, die jedoch durch Umschichtungen und durch die Einwerbung der damals verfügbaren Sondermittel gemeistert werden konnten.

Auch im Hinblick auf die vorhandenen Gebäude gab es Nachhol- und Modernisierungsbedarf. Anfang der 1960er Jahre war das wenig geräuschgedämmte Gästehaus gebaut worden. Das bei den Gästen sehr beliebte Haus „Kureck“ wurde zusätzlich erworben, das einen deutlich höheren Standard aufwies, und in dem man sich abends in den Klub- und Partyräumen zu intensiven Gesprächen traf. Zunehmen mehr wurde aber deutlich, dass diese Gebäude entsprach den Anforderungen an eine moderne Bildungsstätte in keiner Weise. Deshalb wurde 1991 - 1994 das heutige Gästehaus mit 119 Betten, großem Speisesaal, moderner Küche und Veranstaltungsräumen errichtet. 1999 wurde auch die ehemalige Landratsvilla grundlegend saniert und zur „Villa Europa“ ausgebaut. Das Haus „Kureck wurde abgerissen.

Um 1980 war ich erstmals mit dem Europahaus in Kontakt gekommen. Im Vorfeld der ersten Europawahl 1979 studierte ich in an der Uni Mainz bei Professor Weidenfeld Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Europapolitik. Mit einigen Kommilitoninnen und Kommilitonen gründete ich damals eine „AG Europa“, und wir organisierten öffentliche Seminare zu Europathemen, die viel Anklang fanden. Einige dieser Seminare fanden auch im Europahaus Marienberg statt. In diesem Zusammenhang lernte ich auch Claus Schöndube kennen, der bei unserem Seminar „Die Vermittlung der europäischen Einigung in Schule und Massenmedien“ überaus überzeugend referierte. Die Ergebnisse dieser Tagung wurden in den „Marienberger Arbeitsheften“ dokumentiert.

Die in dieser Zusammenarbeit gewonnenen Erfahrungen und Kontakte führten dazu, dass ich mich in starkem Maße für das Europahaus engagierte, Bis zum Ende der 1980er Jahre habe ich hier im Haus zahlreiche Seminare geleitet und war häufig als Referent tätig. Ich war damals – und bin heute noch - fasziniert von der Idee und der Konzeption des Europahauses. Häufig eingesetzt wurde ich bei den internationalen Seminaren, die meistens eine ganze Woche dauerten. Hierzu gehörten die jährlich stattfindenden „Primanerseminare“, an denen Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Abschlussklassen aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien teilnahmen. In deren Rahmen wurden regelmäßig auf Einladung des Präsidenten Fahrten zum rheinland-pfälzischen Landtag nach Mainz durchgeführt.

Besonders am Herzen lagen mir auch die vom DFJW geförderten deutsch-französischen Austauschseminare, bei denen jeweils eine Woche in Marienberg und eine Woche in Frankreich stattfanden. Sehr gerne erinnere ich mich an die Veranstaltungen mit Köchinnen und Köchen und dem Krankenpflegepersonal aus den langjährigen Partnerschulen aus Düsseldorf und Senlis. Übrigens habe ich zur Verbesserung meiner Französisch-Kenntnisse im Sommer 1978 an einem vierwöchigen Intensivkurs in Cap d’Ail teilgenommen, bei dem ich meine Frau Roswitha kennen- und lieben gelernt habe. Ich bin dem DFJW noch heute dankbar, das diesen Kurs großzügig gefördert hat….

Auch beruflich hatte ich als Leiter der Europaabteilung des Landes Rheinland-Pfalz häufig mit dem Europahaus zu tun. Ich habe mehrfach den Europaausschuss des Landtags zu seinen auswärtigen Sitzungen ins Europahaus begleitet und konnte mit dafür sorgen, dass Ministerpräsident Kurt Beck 2001 bei der 50.Jahrfeier des Europahauses als Hauptredner die Bedeutung des Hauses würdigte und die weitere Unterstützung des Landes zusagte.

3. Die Professionalisierung der Arbeit und die Konzentration auf Schulen und innovative Formate und Methoden 2001 - 2025

Nach dem Jahr 2000 wurde die pädagogische Arbeit im Europahaus unter der Leitung von Burkhardt Siebert professionalisiert und durch die Einbeziehung zahlreicher freier Kräfte auf viele Schultern verteilt. 2006 und 2008 erfolgte mit der Einstellung von Karsten Lucke und Anselm Sellen eine wesentliche Verstärkung des pädagogischen Teams. Doch entsprach die personelle Ausstattung des Europahauses auch damit keineswegs den Anforderungen, die an eine moderne Bildungsstätte gestellt werden. Das Europahaus litt und leidet noch darunter, dass aufgrund der finanziellen Zwänge nur wenige hauptamtliche pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Europahaus finanziert werden konnten und auch heute noch können.

Zudem übernahm das Europahaus ohne personelle Verstärkung die Koordinierung der vom Bildungsministerium zertifizierten inzwischen 100 rheinland-pfälzischen Europaschulen. Regelmäßig finden in Bad Marienberg Netzwerktreffen mit Vertretungen dieser Schulen statt, wertvolle Kontakte werden dabei geknüpft und Unterrichtskonzepte ausgetauscht. Dies neue Funktion bedeutete eine Mehrbelastung der Arbeit, bot aber zugleich die Chance weitere Schulen für die Arbeit des Hauses zu interessieren. Viele der Europaschulen sind inzwischen daran interessiert, Schulklassen und sogar ganze Jahrgangsstufen zu den Europa-Grundlagenseminaren ins Europahaus zu schicken.

Eine Zäsur in der Arbeit des Europahauses stellte es dar, dass Burkhardt Siebert 2015 nach mehr als 15 Jahren als Leiter des Hauses in den Ruhestand ging. Danach wurde die Leitung des Hauses einem Team übertragen, dem Karsten Lucke, Aselm Sellen und Andrea Kunz angehörten. Stärker als zuvor wurde – vor allem in den über das Programm ERASMUS geförderten internationalen Seminaren nonformale Bildung in den Vordergrund gestellt, und es wurden verstärkt Elemente der Erlebnispädagogik erprobt. Die innovativen Konzepte erfuhren überregionale Aufmerksamkeit und wurden u.a. 2017 durch den Bundesausschuss für politische Bildung mit der Verleihung eines Preises für das Jugend-Demokratieprojekt “Überwachung galore“ positiv gewürdigt. Dieses Projekt brachte 56 junge Europäer/innen aus acht Ländern zusammen, um sich intensiv mit den Themen Demokratie, Internet, Überwachung und deren Wechselwirkungen auseinanderzusetzen.

Eine weitere wesentliche Veränderung ergab sich für das Haus dadurch, dass Karsten Lucke 2022 Mitglied des Europäischen Parlaments wurde. Mit ihm beendete leider auch Anselm Sellen seine Tätigkeit im Europahaus. Seither arbeitet hier unter der engagierten Leitung von Nicole Stecker ein motiviertes und überaus erfolgreiches junges Team. Positiv hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang, dass 2025 durch den unermüdlichen Einsatz des Stiftungsratsvorsitzenden Hendrik Hering der institutionelle Zuschuss des Landes für das Europahaus substantiell erhöht wurde und damit die Arbeit auf eine gesicherte Grundlage gestellt werden konnte.

Die veränderte Seminarstruktur im Europahaus hatte für den Verein erkennbare Auswirkungen:

- Seit seiner Gründung 1951 wurde das Europahaus wie auch der Verein von überzeugten Europäerinnen und Europäern getragen, deren Ziel es war, europapolitischer Bildung eine Heimstatt zu geben. Zumeist geprägt von den positiven Erfahrungen in Marienberg fühlten sich die Mitglieder des Vereins in erster Linie als Freunde und Förderer des Europahauses. Die Teilnahme an frei ausgeschriebenen Seminaren bot die Möglichkeit zu Gedankenaustausch und Vernetzung. Die Mitglieder waren vielfach bereit, sich für das Europahaus zu engagieren, als Seminarleiter, als Referenten, als Spender oder auch als Mitglieder des in der Satzung vorgesehenen Organe.

- Aufgrund der veränderten Ausrichtung der Arbeit des Europahauses seit 2000 mit festen Teilnehmergruppen und hochprofessionell organisierten Seminaren und Veranstaltungen gab es eine erkennbare Änderung in der Motivation für eine Mitgliedschaft im Verein. Das traditionell gepflegte Modell eines „Vereins der Freunde des Europahauses“, die dieses aufgrund ihres Europaengagements und auch aufgrund eigener Teilnahme an Seminaren und Veranstaltungen dort kennenlernten, funktionierte nur noch bedingt, da vom Europahaus kaum frei ausgeschriebene Seminare für Erwachsene angeboten werden.

Deshalb wurde es notwendig, den Charakter des Vereins stärker am Leitbild eines Fördervereins auszurichten und auch dazu beizutragen, das Europahaus stärker im lokalen und regionalen Umfeld zu verankern. Auch sollte der Verein in der Öffentlichkeit und auch im Europahaus selbst stärker sichtbar werden. So wurde eine neue Homepage des Vereins im Internet eingerichtet und der Verein hat eine kleine Publikation „Unser kleines EU-Handbuch“ erarbeitet und drucken lassen, die im Europahaus verteilt wird.

Lehren aus der Arbeit im Europahaus für die europapolitische Bildung

Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass sich das Europahaus als älteste Einrichtung dieser Art und als Stammhaus von heute weit über 100 europapolitisch orientierten Bildungseinrichtungen bestens etabliert hat. Über 300.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sich hier in verschiedener Weise mit Europafragen befasst. Hier arbeitet heute ein engagiertes junges pädagogisches Team, und aufgrund der erst kürzlich erfolgten deutlichen Erhöhung des institutionellen Zuschusses des Landes Rheinland-Pfalz befindet sich das Haus heute finanziell in einer gesicherten Position.

Allerdings möchte ich an dieser Stelle in einer Hinsicht kein allzu positives Bild zeichnen. Im Hinblick auf den inhaltlichen Gegenstand, mit dem wir uns hier in den Seminaren befassen sehe ich im Gegenteil deutliche Probleme und erheblichen Handlungsbedarf. Die Unterstützung für das europäische Einigungsprojekt ist heute keineswegs mehr selbstverständlich. Im Gegenteil nehmen in Deutschland – wie auch in anderen europäischen Ländern die europakritischen Kräfte deutlich zu. Dies gilt leider auch für die jüngere Generation. Hier gilt es entschlossen entgegenzuwirken, und hier hat das Europahaus nach wie vor eine wichtige Aufgabe und Funktion.

Aus meiner vielfältigen beruflichen und ehrenamtlichen Beschäftigung mit dem Thema Europa habe ich einige Grundüberzeugungen gewonnen, die auch in der Arbeit des Europahauses ihren Niederschlag finden sollten:

1. Zur friedlichen Einigung Europas gibt es nach wie vor keine Alternative.

Wir wollen ein Europa, der Demokratie, der Offenheit, der Vielfalt, der Toleranz und des Friedens.

2. Gerade jüngeren Menschen müssen die Vorteile der Einigung Europas immer wieder vermittelt werden.

Im Gegensatz zur Gründungsgeneration des Europahauses ist für sie das vereinte Europa nicht Antwort auf übersteigerten Nationalismus und Krieg. Die durch die europäische Einigung erreichten Vorteile sehen sie häufig als selbstverständlich an. Das sind sie aber keineswegs. Deshalb gilt es, die Gründe für Europa immer wieder neu aufzuzeigen und zu verdeutlichen.

3. Den Schulen kommt bei der Vermittlung des Themas Europa eine zentrale Bedeutung zu.

Hier werden die Grundlagen gelegt. Die Schulen sollten das Thema „Europa“ verstärkt im Unterricht behandeln und darüber hinaus durch Projektwochen, Teilnahme an europäischen Wettbewerben und Schüleraustauschen „Europa“ erfahrbar machen. Die mehr als 100 Europaschulen in Rheinland-Pfalz sind positive Beispiele hierfür.

4. Europäische Bildungsstätten wie das Europahaus Marienberg waren und sind in diesem Kontext als Orte der Information, der persönlichen Erfahrung und der Vernetzung unersetzbar.

Abschließend bleibt mir nur noch Danke zu sagen für die im Europahaus und für die für das Europahaus geleistete Arbeit:

- Ein herzliches Dankeschön an Nicole Stecker und ihr Team für die Kraft und die Beharrlichkeit, die der Neuanfang mit sich gebracht hat. Dieser Dank gilt natürlich auch den seit vielen Jahren hier Beschäftigten. Besonders erwähnen möchte ich in diesem Zusammenhang Walli Panthel, die über Jahrzehnte hinweg als „guter Geist“ des Europahauses wirkt und die zum Jahresende in den verdienten Ruhestand gehen wird.

- Mein Dank geht auch an den Stiftungsvorstand und vor allem an Hendrik Hering für die richtigen personellen und strukturellen Weichenstellungen auch für den beharrlichen Einsatz zur erfolgreichen Sicherstellung der finanziellen Rahmenbedingungen.

- Schließlich möchte ich auch Hildegard Klär und Thomas Krohn für ihren unermüdlichen Einsatz im Verein danken. Hildegard Klär wirkt seit 2005 im Verein mit, seit 2008 als stellvertretende Vorsitzende. Thomas Krohn danke ich insbesondere dafür, dass er seit Jahren den Programmrat leitet und auch dafür, dass er die Neuausrichtung des Vereins so tatkräftig in Angriff nimmt.

Dem Europahaus wünsche ich auch für die kommenden Jahre viel Erfolg, ein engagiertes und motiviertes Team und vor allem auch viele an Europafragen interessierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Rückblick auf das Festwochenende

Aktuelles

5 Jahre Schule in Prag
Erfahrungsbericht einer deutschen Lehrerin. Video-Konferenz am 10. November 2026
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Busreise nach Straßburg ins EU-Parlament
Einladung der Europa-Union Hessen für den 14. Dezember 2026
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Europa-Bildung seit 75 Jahren in Bad Marienberg
Festakt am 11. September 2026,
Tag der offenen Tür am 12. September
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Europatage in Oppenheim
Bericht und Motivation von Otto Schmuck, Europastadt zu werden
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Die EU in internationalen Beziehungen
Rückblick auf die Diskussionsrunde mit Karsten Lucke.
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Europapreis für Schülerzeitungen
Der Verein stiftet erstmal einen Preis beim Schülerzeitungswettbewerb RLP
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Aktuelles aus dem Europahaus Marienberg
Rückblick und Ausblick der Stiftung und Bildungsstätte im April 2026
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Europäische Bildung im Dialog
Rückblick auf die digitalen Informationsveranstaltungen des Vereins
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Europafahrt von Wheels For Europe
Mit Oldtimern im Juni 2026 nach Den Haag und Maastricht.
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Blick auf das Jahr 2026
So sehen die Planungen für das erste Halbjahr in der Bildungsstätte aus.
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Rückblick: Jean Asselborn im EHM
Lesung und Gespräch am 10. Februar 2026 in Bad Marienberg. Gäste: Jean Asselborn und Hendrik Hering
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Mitgliederversammlung 2025
Die Mitgliederversammlung 2025 fand am 28. November als Video-Konferenz statt.
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Geschichte des Vereins
Wir blicken zurück auf die rund 75 Jahre des Vereins Europahaus Marienberg.
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Europa-Handbuch
Unser kleines Europawissen als Dank für Mitglieder und Unterstützer.
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Europa-Quest
Online-Quiz und Schnitzeljagd des Vereins: Jetzt in der Testphase vor Ort mitspielen
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Netzwerktreffen der Europaschulen
Im September fand im Europahaus das Netzwerktreffen der Europaschulen Rheinland-Pfalz statt.
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Mitglieder-Versammlung 2024
Den Bericht der Mitgliederversammung 2024 finden Sie hier.
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Vorstellungs-Videos
Wir stellen uns in zwei kurzen KI-Videos vor.
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